Filippa Gojo Quartett

Verleihung Neuer Deutscher Jazzpreis 2015

Foto: Manfred Rinderspacher

Gewinner des NEUEN DEUTSCHEN JAZZPREISES 2015

Es ist nicht leicht, sich einen warmen Sommerregen in Grönland vorzustellen. Oder Kümmel in der Sahnetorte. Farben in „Casablanca“. Freiheit in Nordkorea. Oder saftigen Basilikum im Death Valley. Alles davon wäre ungewöhnlich und käme völlig unerwartet. Manches wäre unorthodox, aber vielleicht gerade deshalb interessant. Nichts davon ist bisher dagewesen.

Die paradoxe Komposition von Elementen, die man nur aus unterschiedlichen Kontexten kennt, ist die herausragende Qualität, die das Filippa Gojo Quartett ausmacht. Ausschlaggebend ist hier natürlich der musikalische Zugang der in Köln lebenden Vorarlberger Frontfrau, der eine friedliche Grenzüberschreitung schon lange zum Markenzeichen geworden ist: „Singing out of the box“ ist das Motto ihres Schaffens und meint damit das Beschreiten neuer Wege, sowohl stimmlich als auch konzeptionell.

Bereits während des Jazzgesang-Studiums hat die Österreicherin den Blick über den Tellerrand gewagt und sich mit Solo-Performance und Improvisation abseits von traditionellen Formen beschäftigt. Das prägt natürlich auch die Musik des 2009 gegründeten Quartetts. Hier herrscht kein strenges Form- und Stildiktat, keine Verpflichtung zu virtuoser Leistungsschau, aber auch keine publikumsignorante Bühnenanarchie, die unter dem Label Fusion vertrieben wird. Für die Sängerin und ihre Musiker ist die oberste Maxime, das Publikum zu berühren, eigene starke Gefühle zu transportieren. Das erste, 2013 entstandene Album „Nahaufnahme“ hat wohl vor allem deshalb herausragende Kritiken erhalten.

Filippa Gojo macht neben ihren traumwandlerischen Vokalexkursen zwischen perkussivem und lyrischem Gesang auch an Sprachgrenzen nicht Halt. Sie weiß dabei als Sängerin und Schreiberin gleichermaßen zu überzeugen – was ihr sogar die große europäische Jazzstimme Norma Winstone attestierte : „She sings the Brazilian pieces very well but I am really impressed with the way she writes and sings in English. I especially like “Train of Thought” and the Jimmy Hendrix type solo on “Confusão”. Einige neuere Stücke sind gar im Vorarlberger Heimatidiom verfasst. Sie drücken dadurch noch mehr Tiefe und Innigkeit aus.

Mittlerweile hat sich das Quartett um Filippa Gojo, die 2014 außerdem den Jazzpreis der Stadt Köln erhielt, international einen Namen machen können. Das zeigt sich nicht nur am großen Interesse im europäischen Musik-Feuilleton, sondern auch an Auftrittsmöglichkeiten bei großen Festivals wie z. B. dem „Alto Adige“ in Südtirol. Dennoch kam für das Quartett mit Sebastian Scobel (Piano, Rhodes), David Andres (Kontrabass) und Lukas Meile (Percussion) der Gewinn des Neuen Deutschen Jazzpreis 2015 unerwartet. Sowohl in der Kategorie Band als auch in der Solisten-Sparte wurde der Name Filippa Gojo mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Für alle Vier mindestens genauso viel wert wie der Preis selbst war dabei das Urteil des US-amerikanischen Jazzsaxofonisten und Kurators Kenny Garrett, mit dem er den Einzug die finale Runde begründete: „Diese Musik hat mich berührt.“

Besetzung:

Filippa Gojo – Gesang

Sebastian Scobel – Piano, Rhodes

David Andres – Kontrabass

Lukas Meile – Percussion